NRW Gesundheitsministerium

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pfusch in der Pflege 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mut zum  Widerstand 

Erkenntnisse des Alters

 

Inhalt dieser Seite:

 

  • -  Erkenntnisse des Alters XII - Die Zeit des Handelns ist gekommen (G.H. 03.12.15)
  • - Erkenntnisse des Alters XI Braucht das Sterben Hilfe? (G.H. 15. Juni 2015)
  • -  Erkenntnisse des Alters IX: Menschenwürde oder was? - Das Grundgesetz der Deutschen
  • - Erkenntnisse des Alters: Gefährlich ist's, den Leu zu wecken  -  oder: Das Grundgesetz der Deutschen
  • - I. Was die Alten wissen sollten - denn sie sind klug, lebenserfahren und oft in ihren Urteilen weise
  • - 2. Die Rente  - Rentenlüge, Rentenklau, 'Betrug am Beitragszahler
  • - 3. Die Reichen und die Gesellschaft. In der Welt der 'Reichen ist die Gesellschaft das Instrument, das sie einzig zu Ihrem Vorteil einsetzen.

 

Erkenntnisse des Alters XII - Die Zeit des Handelns ist gekommen (G.H. 3. Dezember 2015) 

Geschichtskenntnisse helfen oft besser, die Wiederholung von Fehlern zu vermeiden, als viele wissenschaftliche Abhandlungen. Wir gehen derzeit durch eine der größten Umwandlungen und Umbrüche, die es geschichtlich je gegeben hat. In unserem "Informationszeitalter" bewegen sich die Dinge schneller und schneller und vor allem eigendynamischer. Das Handeln der meisten ist nicht nur kurzfristiger, sondern auch kurzsichtiger geworden, wir sind Verlockungen, Versprechungen und Versuchungen ausgesetzt, denen viele, allzu viele erliegen. Um zu verstehen, was vor sich geht, muss man aber größere Zeiträume überblicken können, als das in diesen Zeiten üblich ist. Wer etwa die Geschichte - und sei es nur die Geschichte der letzten 100 Jahre - präsent hat, der kann den Versuchungen der Zeit, den Verlockungen der "großen" politischen Botschaften, den Versprechungen der mittlerweile blödsinnig gewordenen Werbewelt leicht widerstehen.

 

Wer in den zwanziger, dreißiger, vierziger und fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts geboren wurde - und davon leben in unserer Gesellschaft etwa vierzig Millionen - befindet sich in dieser glücklichen Lage des Überblicks und der Widerständigkeit. Denn nicht die Kenntnisse darüber, wie man die Tastatur eines "Smart-Phones" oder "PC's" bedient oder wie man mittels der digitalen Suchmaschinen bestimmte Informationen im Internet findet, ist von überlebenswichtiger Bedeutung, sondern einzig und allein durchdachte und reflektierte Lebenserfahrung. Und in deren alleinigen Besitz befinden sich nur die Alten. Sie sind eine sehr starke Kraft in diesem Lande.

 

Eines lässt sich als bedeutsame Erkenntnis vorwegnehmen: Die sogenannte 68er-Revolte und ihre Nachwirkungen waren für die Deutschen ein fatales Desaster. Die "68er" haben durch ihre Sinnlosigkeit die elementare Kraft, nämlich die thymotische Kraft eines  Großteils der jüngeren Deutschen, zerstört. "Das griechische Kennwort für das 'Organ' in der Brust von Helden und Menschen, von dem die großen Aufwallungen ausgehen, lautet 'thymos' - es bezeichnet den Regungsherd des stolzen Selbst, zugleich auch den rezeptiven 'Sinn', durch den die Appelle der Götter sich den Sterblichen kund geben."


Wer von uns Älteren etwa auf die Nachkriegsjahre, auf die Jahre zwischen 1945 und 1965, zurückblickt und die Flüchtlings- und Vertriebenenwellen jener Jahre in Erinnerung ruft, der blickt auf die Flüchtlingsströme der heutigen Tage mit äußerst bedenklicher und überaus besorgter Zurückhaltung hinab. Die Flüchtlinge jener Jahren waren Frauen, Frauen und nochmals Frauen - und Kinder, Kinder,Kinder - und hin und wieder, aber selten, ältere Männer. Die jungen Männer jener Zeit waren nämlich im Krieg geblieben, sie waren den "Heldentod" gestorben - oder sie fristeten zu abertausenden in den unterschiedlichsten Kriegsgefangenenlagern ein menschenunwürdiges Dasein. Die Frauen, die zu jener Zeit auf der Flucht waren, waren in der Regel junge Witwen, Kriegerwitwen und die Kinder waren Waisen, Kriegswaisen. Sie waren krank an Leib und Seele.  Sle haben für die grauenhaften Verbrechen ihrer politischen, militärischen und Wirtschaftlichen Führungen gebüßt, sie haben gelitten, sie haben in Trümmern und Elend gelebt - und sie haben dieses, unser Vaterland, wieder aufgebaut zu einer nie dagewesenen Blüte.  

Wer heute wieder und wieder die Keule, die allein aus den Verbrechen der verfluchten Nazi-Mörder  besteht, schwingt, sollte wissen, dass er sie gegen Unschuldige schwingt, denn er schwingt sie auch gegen die Kinder, die ohne ihre Väter in Not und Elend aufwachsen mussten. Die Deutschen von heute haben allen Grund, stolz auf sich und auf ihr Vaterland zu sein. In den Jahren zwischen 1928 und 1945 haben sich gewissenlose Volksverführer und mörderische Kriegsverbrecher aus Politik, Militär, Industrie und Verwaltungen an die Macht gebracht. Sie haben das deutsche Volk und die Völker Europas ins Verderben gestürzt. Sie sind nur zum Teil in den Nürnberger Prozessen hingerichtet worden.  

 

Auf die Verführungen jener Zeit bezogen, muss man in diesen Zeiten die Frage untersuchen, ob von 1998 bis 2015 auf eine andere Weise nicht Ähnliches geschieht. Denn wo Verantwortungslosigkeit grassiert, ist die Schandtat nicht fern.

 

Wer jedoch die Flüchtlingsströme dieser Tage beobachtet, der erblickt fast ausnahmslos gesunde, lachende Männer, junge Männer, Männer, die vor den schwierigen Aufgaben in ihren Heimatländern fliehen.Wer genau hinsah und hinsieht, der sah und sieht einen endlos strömenden Zug von Verlorenen, von ideologisch Verwirrten, in der Hauptsache von Männern, die nicht bereit sind, für das Wohl ihrer Heimat für die Sicherheit ihrer Familien, Frauen und Kinder ihr Leben einzusetzen und zu kämpfen. Dafür halten nun die Europäer ihre Köpfe hin. Allein aus Deutschland sollen Kriegsgerät und 1200 Soldaten den Kampf gegen den IS aufnehmen. Welch ein Irrsinn!

 

Für die Älteren unter uns sind diese Tatsachen nur schwer zu ertragen. Denn sie wissen aus der Geschichte und aus ihrer eigenen Lebenserfahrung heraus, wie gefährlich es ist, wenn sich unterschiedliche, sich radikal widersprechende Kulturen, auf engem Raum auf derartige Weise begegnen. Merkel und ihr Anhang muss der letzten Rest von Verstand abhanden gekommen sein. Denn die Auseinandersetzungen, die künftig ausgefochten werden müssen, finden nicht mehr im fernen Okzident statt, sondern verlagern sich ins eigene Land, ins Abendland. Wer Augen hat zu sehen, der sehe, wer Ohren hat zu hören, der höre!

 

Deshalb, ihr" Alten",wacht auf! Denn die Zeit des Handelns ist wieder da.

 

Die modernen Alten verfügen über reiches faktisches und ebenso reiches strategisch-prozedurales Wissen. Es ist ein Wissen in den grundlegenden Fragen des Lebens. Es ist ein Wissen um die Lebenskontexte und um den stetigen gesellschaftlichen Wandel. In ihrem Handeln berücksichtigen die Alten die Relativität von Werten und Lebenszielen – und sie besitzen darüber hinaus ein Wissen, das die Unsicherheiten des Lebens einbezieht. Den aus dem Zeitgeist geborenen  Jugendlichkeitswahn lehnen  sie heiter lächelnd ab. Sie stehen zu ihrem Alter. Denn sie wissen, dass die Verleugnung des Alters gleichbedeutend ist mit Unreife, Rückschritt und Verblendung. Sie sind selbständig, selbstbestimmt und selbstbewusst. Sie besitzen große Kompetenzen und gereifte Vernunft. Und sie bedienen sich ihres Verstandes ohne die Leitung durch andere. Denn sie wissen die Mittel der  Intelligenz zugebrauchen: Sie verstehen sich auf scharfsinnige  Selektion und kluge Kompensation.


Es ist längst wissenschaftlich belegt,  dass die Entwicklung der Intelligenz, die Fortbildung des individuellen Selbst, die Entfaltung von Kompetenzen und Generativität bis ins hohe Alter, bis ins hundertste Lebensjahr und weit darüber hinaus, möglich ist.  

 

Die modernen Alten wissen, um es mit der amerikanischen Altersforscherin Betty Friedan zu sagen, dass die Funktion des Alters jenseits von Reproduktion und ökonomischer Verwertbarkeit auf andere Art etwas zur Erhaltung der Spezies beitragen muss. Sie muss über die persönliche Zukunft hinausgehen; denn wenn sie ihre Energien im Alter verbrauchen oder mit Trivialitäten und Spielereien verplempern, wenn sie ihre „Zeit totschlagen und das Alter und den Tod verleugnen“,  dann verschleudern sie ihre „auf die Zukunft gerichtete Weisheit und Generativität“.  Ihr „Vermächtnis wird mehr sein als nur die bedeutsamen Erinnerungen, die sie „für ihre Enkel aufschreiben". Sie können die Zukunft nicht vorhersehen“. Nur wenn sie „anden Problemen arbeiten, vor denen unsere Gesellschaft steht, und dabei ihre imLauf des Lebens erworbene Weisheit und Generativität einsetzen“, hinterlassen sie ihren Enkeln „ein Vermächtnis, das darin besteht“, dass sie bei der „Gestaltung der Zukunft helfen und die Generativität des menschlichen Gemeinwesens entfalten und bewahren“.

 

Die modernen Alten sind längst da. Sie mischen sich immer  vernehmbarer, kreativ und innovativ in die gesellschaftlichenBelange ein.

 

Sie wissen, welche Kämpfe sie gegen die eigene Regierung und gegen die Mainstream-Medien  führen müssen, denn sie sind selbstbewusst, selbstbestimmt und streben ein gelingendes Altwerden an. Sie kämpfen für ein Leben, das bis in die letzte Lebensphase geschützt ist. Ihr Wirken ist unabhängig von parteipolitischen Interessen.

 

Sie kämpfen dafür, dass Eltern, die ihre Kinder versorgen und pflegen, ihnen vertrauensvolle Bindung während der ersten vier Lebensjahre lehren und ihnen Urvertrauen für den Lebensweg mitgeben, im Alter je eine dynamisierte Mindestrente von 1.300,oo Euro pro Monat garantiert werden. Niemand darf wegen seines Kinderreichtums in die Altersarmutsfalle geraten.

 

Sie kämpfen für die Vernunft! Sie kämpfen für denErhalt ihrer Kultur.

 

Sie kämpfen für den Wert von Ehe und Familie in ihrer ursprünglichen und geheiligten Form und lehnen satanische Experimente, wie etwa den Gender-Wahnsinn, der die Ehe und die Familie  zerstört, vehement ab.  

 

Sie kämpfen für die freie Entfaltung des Einzelnen und weisen nachdrücklich daraufhin, dass Freiheit nur in Verbindung mit Verantwortung möglich ist.  

 

Sie kämpfen dafür, dass Menschen im Alter eine hörbare Stimme erhalten, die selbst vom letzten Hinterbänkler der Politarena nicht überhört werden kann.

 

Sie kämpfen dafür, dass Angehörige, die ihre Verwandten und Freunde mit erhöhtem oder hohem Pflegebedarf pflegen, keine Einbußen in ihrem Lebensstandard hinnehmen müssen.

 

alter-aktiv-bdpv steht für diesen Kampf. Wir kämpfen dafür, dass alle Institutionen, die mit der Pflege und Betreuung im engeren und weiteren Sinn befasst und beauftragt sind, ihre Aufgaben nach den jeweils aktuellen Standards menschenwürdiger und wissenschaftlicher Erkenntnisse gewissenhaft ausführen. Zu den Institutionen zählen sowohl die Ärzte, die Palliativmediziner, die Pflegedienste, die Pflegeeinrichtungen, dieSozialämter als auch die entsprechenden Entscheidungsgremien, die Kuratorien und die Gerichte. Betreuungsrichter haben sich einer gezielten Unterrichtung zu unterziehen. Sie müssen lernen, dass im Mittelpunkt die Bedarfe des jeweiligen Menschen stehen, und nicht die Wünsche fremder Interessen, Interessenverbände und -organisationen. alter-aktiv-bdpv übernimmt bei Bedarf die schriftlichen Auseinandersetzungen. Da diese Arbeit in der Regel mit individuellen und nicht selten mit rechtlichen Fragen verbunden ist, ist die Mitgliedschaft im BdPV erforderlich.

 

Eine Forschergruppe, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung schrieb 1999 im „Zukunftsreport demografischer Wandel“: „Gerade in einer modernen Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft werden Erfahrungswissen und Qualifikationskultur sowie lebensbegleitendes Lernen und der Transfer von Wissen zu strategischen Wettbewerbsvoraussetzungen für die Individuen wie für Unternehmen dringendgebraucht. (...) Es gibt keinerlei Belege dafür, dass mit zunehmenden Alter die Fähigkeit, sich produktiv an Innovationsprozessen zu beteiligen, nachlässt.(...)  Nach vorliegenden Erkenntnissen können von Älteren Aufgaben besser erfüllt werden (als von Jüngeren), die: Vertraut und trainiert sind, autonom bearbeitet werden können, komplexe Arbeitabläufe beinhalten, für deren Beherrschung Erfahrung eine wichtige Rolle spielt, soziale Kompetenzen voraussetzen und deren Erfüllung Kenntnisse über gesellschaftliche  Abläufe und informelle Beziehungen voraussetzt“.

 

alter-aktiv-bdpv

Gerd Heming(Vors.)

Dezember2015

 

zurück zur Startseite

 

 

Erkenntnisse des Alters XI: Braucht das Sterben Hilfe?

„Wer sich tötet, weil er Schmerzen hat oder an Altersschwäche leidet, verhält sich „feig““, sagte schon Seneca (4 v. Chr. – 65 n. Chr.). „Gewinnt er aber die Überzeugung, dass er Schmerzen nicht mehr loswird und das „Greisenalter“ seinen Geist angreift, sollte er den ‚Sprung nicht scheuen, um herauszukommen aus dieser morschen und zusammensinkenden Behausung“.

 

Für Seneca war ein unheilbarer Schmerz ein Hemmnis „für alles, um dessentwillen man lebt“. Aber Seneca kannte die Palliativ-Medizin noch nicht.  

 

Sich selbst zu töten aus Angst, weil man im Alter möglicherweise Schmerzen erleidet oder vielleicht seine geistigen Fähigkeiten verliert, zeugt von einem unsortierten, wirren Geist, der niemals groß war und nie Festigkeit im Denken erlernt hat. Denn ein solcher Mensch tötet sich allein aus Angst vor einer  Zukunft – einer Zukunft, die einzig in seiner Einbildung existiert. Wer sich aus Angst vor der Zukunft tötet, dem fehlt alles, was ihn zum realen Menschen macht: Tapferkeit, Klugheit, ein gesunder, gradliniger und hoher Geist und die Einsicht in die Relativitäten des Lebens. Wenn ein solcher „Mensch“ sich tötet, entsteht kein Verlust, denn er hat in einer Zukunft gelebt, von der bestenfalls ein Gott weiß, was sie bringt - und folglich ist es also so, als habe ein solcher Mensch real nie gelebt.

 

Es gibt solche Menschen, die sich aus Angst vor der Zukunft das Leben nehmen. Ein solcher Mensch war etwa ein Gunter Sachs, der sich aus Angst vor einer nie diagnostizierten „ausweglosen Krankheit“ das Leben genommen hat - ein Hypochonder. Die mediale Öffentlichkeit hat ihn wegen seiner „letzten Tat“ gefeiert, sie hat seinen Mut hoch gepriesen und gemeint, dass dieser legendäre Lebemann, Fotograf und Kunstsammler niemals einem grandiosen Irrtum erliegen könne. Wie könnte einer, der mehr als ein Dutzend Häuser an den schönsten Ecken der Erde bewohnte, den man auch mit knapp 80 Jahren immer noch in Begleitung der schönsten Frauen sah, und der mehr Vermögen besaß, als ein einzelner Mensch überblicken kann, wie könnte ein solcher Mann“ des Lebens überdrüssig sein? Der Spiegel schrieb damals: „Es gab niemanden, der nach seinem Tod nicht respektvoll über ihn hätte reden wollen.“

 

Es ist zu hoffen, dass es niemanden gibt oder gab, der diesen „Spiegel-Satz“ ernst nimmt oder jemals ernst genommen hat. 

Denn es war da nichts, dem Respekt zu zollen war.  Was allein existierte, waren Beschreibungen von Beschreibungen von Beschreibungen über „schöne Frauen“, über „viele Häuser“, über „immensen Reichtum“. Was jemals existierte, waren Illusionen, waren Wunschträume, waren Projektionen.  Die Welt ist durch diese Selbsttötung um keinen Deut ärmer geworden. Um es mit seinen Worten, den Worten des Profitmaximierers,  zu sagen: Durch seine Selbsttötung ist kein Verlust entstanden.

 

Solche Menschen hätten für ihr Sterben dringend Hilfe gebraucht. Solche Menschen bedürfen dieser Hilfe mehr, als die meisten anderen. Solche Menschen jedoch haben die Eigenart, sich jeder Hilfe zu verweigern. Hilfe anzunehmen bedeutet für sie das Eingeständnis von Schwäche. Sie, die Großartigen, zeigen aber keine Schwäche – Nie! - da bringen sie sich eher um,  - obwohl dieser letzte Schritt unter allen Irrtümern ihres Lebens der radikalste und unumkehrbarste Irrtum ist. Ihr Leben bestand aus endlosen Irrtümern, und zuletzt fielen sie dem finalen Irrtum anheim. Ein trauriges Leben. Ein sinnloses Leben. Ein sinnloser Tod. Kein Grund  für Bewunderung – und ganz gewiss zeigt sich darin nicht ein Schatten von Mut! -  sondern Angst, erbärmliche, unbegründete, feige Angst und tiefes Mißtrauen gegenüber sich selbst und der Welt. Solche Menschen haben die Kunst zu leben nie gelernt.

 

Das Sterben braucht Hilfe! Besonders in diesen Zeiten der unendlichen Beliebigkeiten und der Furcht vor Sterben und Tod braucht das Sterben Hilfe.

 

Um noch einmal Seneca das Wort zu geben: „Die Kunst zu leben muss man das ganze Leben hindurch lernen, und was Dich vielleicht noch wundersamer dünkt: Sein ganzes Leben lang muss man das Sterben lernen.“  Denn wer zu sterben gelernt hat, der hat verlernt Sklave zu sein. Allein der ist ein freier Mensch, der zu sterben versteht.

 

„Ein Körper mag auf Grund seiner Organisation geeignet sein zum Leben“ schrieb Fernando Inciarte. „ Als solcher ist er aber dazu eben nur geeignet. Was ihm fehlt, ist die Wirklichkeit des Lebens, der Geist. Der Geist ist folglich nichts anderes als dasjenige der Wirklichkeit nach, was der Leib der Möglichkeit nach ist, nämlich Leben dieser oder jener Art – je nach organischer Ausstattung“.

 

Der Körper ist Begierde. In unserem Zeitalter der Körperlichkeit, hat der Geist deshalb keinen besonderen Wert. In unzähligen Kochsendungen und von tausenden von Köchen haben uns die Medien in den vergangenen Jahren gezeigt, wie wir dem Körper Wohltaten zufügen. Doch gute Köche wissen, dass demjenigen, der vieles durcheinander isst, bald große Übelkeit plagt. Nahrung für den Geist ist dabei nie ein Thema. Wie auch? Wer dem Leib verfallen ist, kann den Wert des Geistes nicht erkennen. Obwohl doch der gesunde, mit klugen Lehren genährte Geist die einzige Rettung vor der Versklavung durch den Körper ist. So also bleibt die Körperlichkeit.  Mit verheerenden Wirkungen. Denn je mehr wir dem Körperlichen verfallen, umso mehr wächst die Begierde, umso mehr wächst die Versklavung. Denn die Begierde ist nie zufrieden. Es ist wie mit Sachs, der mehr als ein Dutzend Häuser an denschönsten Ecken der Erde bewohnte, den man auch mit knapp 80 Jahren immer noch in Begleitung der schönsten Frauen sah, und der mehr Vermögen besaß, als ein einzelner Mensch überblicken kann. Er wird des Lebens überdrüssig. Und richtig ist, dass er nur ein Haus jeweils bewohnen kann, und in dem Haus nur ein Zimmer, und in dem einen Zimmer nur einen Stuhl oder Sessel oder Sofa. Was darüber hinaus ist, ist überflüssig, es ist seinem Nutzen nach wertlos, es ist ein Beweis für unersättliche Begierde. Und ebenso verhält es sich mit dem Reichtum, den ein einzelner Mensch nicht überblicken kann. Verderblich darüber hinaus ist, wenn  dieser Reichtum nicht dort angelegt wird, wo er zusammen gerafft wurde, sondern sich verteilt auf dubiose Konten in den Steueroasen der Welt. Das zeugt  von einem Geist, der so niedrig ausgebildeti st, dass er sich leicht unter einer Briefmarke verstecken ließe. Geistlose Menschen  neigen nun mal dazu, sich die finale Kugel zu geben.

 

Der Mensch soll Herr seiner Begierden sein, nicht ihr Knecht, nicht ihr Sklave. Der Mensch ist als „imago dei“ Ursache seiner selbst, er ist Zweck an sich. Darin liegt seine unantastbare Würde. Er soll sich durch sich selbst fähig machen, seinen Geist zu bilden. Den aber findet er nicht in den zwölf Häusern, noch in den Armen schöner Frauen, noch in riesige Vermögen. Denn all das ist vergänglich. Selbst die Schönheit der Frauen vergeht mit Windeseile. Suchen muss man daher, was nicht von Tag zu Tag an Wert verliert, suchen muss man etwas, wogegen niemand Widerstand leisten kann, was einem niemand stehlen kann. Was das ist? Es  ist der Geist! Doch dieser aufrecht, gut, groß! Was anderes könnten wir ihn nennen als Gott, der im Menschenkörper wohnt. „Empor springen hinauf zum Himmel kann man auch aus einem Winkel“ ruft Vergil: „Erhebt Euch! Und bildet Euch würdig des Gottes. Das wirst du nicht mit Gold und Silber: nicht kann aus diesem Stoff ein Bild geschaffen werden, dem Gotte ähnlich“. So wird der Prozess des Sterbens zu neuem Leben.

 

Abschließend ein Wort des Münsteraner Philosophen Josef Pieper: „Immer wieder einmal wird berichtet, dass die Menschen, die vom unmittelbaren Tod gerettet werden, im Augenblick vor dem Erlöschen ihr ganzes Leben mit allen, längst vergessen geglaubten oder auch wirklich vergessenen Einzelheiten völlig klar vor ihrem inneren Auge hätten abrollen sehen – was man doch wohl verstehen muss als eine Art Angebot, als eine Einladung und zugleich als eine Befähigung zu einer umfassenden Beurteilung, vielleicht auch Verurteilung, dieses gleichen Lebens, nun freilich auf Grund des denkbar höchsten, absoluten Richtmaßes. Genau dies aber wäre dann jener letzte Schritt auf der Bahn der inneren Existenz, durch den und in welchem der Mensch seine letzte, die von ihm selbst endgültig gewollte und bejahte unabänderliche Gestalt und Verfasstheit gewinnt. – Der „Akt“ allerdings, in dem das geschieht, könnte sehr wohl zu denken sein als ein schlechthin unwahrnehmbarer, von niemanden vernommener Seufzer, der nicht allein von dem Sterbenden nicht mehr artikuliert werden kann, sondern vielleicht sogar– weil er, nicht anders als die ekstatische Kontemplation, die volle ungeschmälerte Energie der Seele beansprucht – seiner eigenen Reflexion unerreichbar und verborgen bleibt.“ So wird der Augenblick des Todes für manche oder viele Menschen zum Augenblick der Wahrheit in dem er sich erstmalig sieht wie er wirklich ist und wie wirklich hätte leben müssen.

 

Die Politik kann über das Sterben nicht urteilen, ebenso wenig Priester, Richter oder Philosophen. Auch Ärzte sollen nicht urteilen, sie sollen unter Einsatz der Palliativmedizin das Sterben erleichtern. Das Sterben selbst gehört nämlich keinem von ihnen, es gehört allein dem Menschen, der durch sein Sterben in ein anderes Leben geht.

Bund derPflegeversicherten e.V.

Gerd Heming (Vors.)

Münster,10. Juni 2015

 

zurück zur Startseite 

 

 

Erkenntnisse des Alters IX: Menschenwürde oder was? - Das Grundgesetz der Deutschen 

 

„Unser Leben ist reich an offenkundigen Unrechtsverhältnissen im Rechts- und Staatsbereich. Wir müssen dabei nicht nur an den Nationalsozialismus denken, an Stalin, an die Herrschaft von Idi Amin und der Roten Khmer“, sagte Gerd Hemingvom BdPV e.V., „sondern auch an das Wirken der USA unter Georg W. Bush, der mit Lügen den Krieg gegen den Irak in Szene setzte und den Tod hunderttausender zum großen Teil unschuldiger Menschen seiner Lügen wegen verursachte - oder an die Sozialgesetzgebung unter der Regierung Schröder in Deutschland.“

 

Indem wir politische Verhältnisse als offenkundiges Unrecht ansprechen, beurteilen wir nicht bloß persönliches, sondern auch öffentliches Handeln, insbesondere  Recht und Staat, nach sittlichen Maßstäben, ethischen Denkfiguren und Kriterien der praktischen Vernunft. Diese Maßstäbe finden sich im Grundgesetz der Deutschen und heißen: Menschenwürde und Menschenrechte, Freiheit der Person, freie Entfaltung der Persönlichkeit, Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, Gleichheit vor dem Gesetz, Glaubens- und Gewissensfreiheit, Meinungs- und Pressefreiheit – eben Maßstäbe der Demokratie. Dort, wo die politischen Verhältnisse diesen Maßstäben zuwiderlaufen, übt der Bund der Pflegeversicherten (alter-aktiv-bdpv) Kritik und fordert Veränderungen.

 

Unsere Forderungen sind darin verankert, dass auch Recht und Staat an Prinzipien der Sittlichkeit, eben Prinzipien der politischen Gerechtigkeit, gebunden sind. Diese Verpflichtung zeigt sich in Verfassungsartikeln des Grundgesetzes der Deutschen, in denen Recht und Staat auf die Menschenwürde verpflichtet werden  (Art. 1.1).  In Art. 1.2 sowie in Art. 19 werden sie auf die Menschenrechte als institutionalisierte Grundrechte sowie in Art. 20.1 auf das Prinzip des demokratischen und sozialen Rechtsstaates verpflichtet.

 

Wenn man die Deutschen nach ihren Kenntnissen über ihr Grundgesetz befragt, dann hört man fast ausnahmslos diesen einen Satz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Es ist so, als sei damit alles gesagt, als sei damit das gesamte Grundgesetz erklärt – und in gewisser Weise ist das so.

 

Denn der Mensch kann geschlagen, gefoltert, unmenschlich behandelt werden, er verliert dadurch seine Würde nicht. Von außen her, von anderen Menschen, von Mördern, Folterknechten und Verbrechern, kann die Würde des Menschen nicht verletzt werden. Es liegt hierin die Antwort auf die sokratische Frage, ob es besser ist, Unrecht zu tun, als Unrecht zu erleiden. Um es vorweg zu nehmen: Sokrates hielt das Unrecht erleiden für sittlich „besser“ als Unrecht auszuüben.

 

Um dies zu begreifen, soll der polnische Geistliche Pater Maximilian Kolbe angeführt werden, der in der Zwischenkriegszeit eine rege Missionsarbeit betrieb, die unter der deutschen Besetzung Polens unterbunden wurde.

 

1941 wurde er verhaftet und nach Auschwitz deportiert, wo er für einen Mithäftling in den Hungerbunker ging. Im  KZ Auschwitz wirkte der Pater nämlich als Seelsorger und Priester weiter. Am 29. Juli 1941 wurden Männer als Vergeltungsmaßnahme für die nur vermutete Flucht eines anderen Häftlings (dessen Leiche später gefunden wurde) zur Ermordung aussortiert. Als einer der Männer, Franciszek Gajowniczek,  in lautes Wehklagen um sich und seine Familie ausbrach, bat Pater Kolbe den Führer des Häftlingslagers, Karl Fritzsch, darum, den Platz von Gajowniczek (der eine Frau und zwei Söhne hatte) einnehmen zu dürfen, und wurde am 31. Juli 1941 in den berüchtigten „Hungerbunker“ des Blocks 11 gesperrt. Dort betete er mit seinen Leidensgenossen und tröstete sie. Am 14. August wurden Pater Kolbe und drei andere Verurteilte, die noch nicht verhungert waren, durch Phenolspritzen umgebracht und im Krematorium verbrannt. Franciszek Gajowniczek überlebte das KZ und starb 1995.“

 

Trotz Folter, Hunger und Tod verlor Maximilian Kolbe seine Würde nie, im Gegenteil, sie stieg ins Unermessliche. Daher ist es um Vieles besser, Unrecht zu erleiden, als Unrecht zu tun. Die Würde des Menschen ist von Außen her unantastbar.

 

Aber Menschen können von Innen her sich selbst ihrer Würde berauben und entledigen. Ihre Würde verloren die Folterknechte, die Henker, die Helfershelfer eines mörderischen Systems. Ihre Würde verloren alle, die im System der NS-Mordbuben verflochten waren: die Politiker, die Volksvertreter, die Helferhelfer in den Behörden und Amtsstuben, die Richter, die Anwälte, die Häscher in den Gefängnissen und Konzentrationslagern.

 

Würdelos sind jene, die Unrecht tun. Darauf richtet der Bund der Pflegeversicherten sein Augenmerk.

 

Mit der Würde des Menschen verbinden sich nämlich unauflösbar Anstand, Rechtschaffenheit, Sinn für Gerechtigkeit, Mitgefühl und praktische Vernunft, Respekt vor dem Anderen, Respekt vor seiner Freiheit und Achtsamkeit um das körperliche, geistige und seelische Wohlergehen des Anderen.

 

Wo dieses fehlt, wo dieses in Gefahr gerät, ist jeder Mensch mit Würde, jeder würdevolle Mensch aufgerufen zum Widerstand.

 

Wenn Menschen sich auf Kosten anderer Menschen bereichern, ist der würdige Mensch zum Widerstand aufgerufen, wenn Menschen gequält und gefoltert werden, wenn Menschen unterdrückt werden, wenn Menschen von ihren Arbeitgebern ausgebeutet werden, wenn Steuerbetrug zum Kult erhoben wird, wenn Menschen in den bundesweiten Amtsstuben missachtet werden, wenn Menschen ihrer Grundrechte beraubt werden, wenn Richter die Rechtsprechung missbrauchen oder in Altenheimen Menschen respektlos behandelt werden, wenn Erzieher in Schulen und Heimen Kinder missbrauchen, dann ist der aufrechte, der würdige Mensch zum Widerstand berufen! Denn würdige Menschen sind verpflichtet, menschlichem Abschaum, Menschen, die sich ihrer Würde selbst entledigt haben, entgegen zu stehen – überall: in Politik, Wirtschaft, Finanzwelt, in allen kulturellen und sozialen Bereichen. Allerdings muss sich der würdige Mensch vergegenwärtigen, dass jener, der sich seiner Würde selbst entledigte, durch innere Beweggründe umkehren und zur Würde zurückkehren kann.

 

Orientierung und Unterstützung gibt uns unser Grundgesetz. Seine Interpretation darf nicht den illusionären Künsten der Juristen überlassen werden. Denn es bietet wichtige Anknüpfungspunkte, in denen der normative Gehalt des Sozialstaatsprinzips positivrechtlich und einer seriösen Textinterpretation zugänglich verankert sind.  

 

Die ersten drei Artikel (Menschenwürde, freie Entfaltung der Persönlichkeit, Gleichheit) stellten wir unter „Erkenntnisse des Alters VIII“ vor, an dieser Stelle wollen wir auf die folgenden drei Grundrechte aufmerksam machen und zum Nachdenken und Handeln anregen:

 

Art. 4 (Glaubens- Gewissens- undBekenntnisfreiheit. Kriegsdienstverweigerung) (1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. (2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet. (3) Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.

 

Art. 5 (Meinungs-, Pressefreiheit. Rundfunk, Freiheit der Kunst und Wissenschaft) (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt. (2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugendund in dem Recht der persönlichen Ehre. (3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

 

Art. 6 (Ehe und Familie) (1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. (2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvorderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft. (3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen. (4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft. (5) Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung und ihre Stellung in der Gesellschaft zu schaffen wie den ehelichen Kindern.

 

Soweit der Art. 6 "Ehe und Familie". Er grenzt sich scharf von homosexuellen Partnerschaften oder anderen Formen des Zusammenlebens ab. Selbst im Zeitalter der Beliebigkeiten und Unorientierten ragt der Wert der Familie über alles Zusammenleben weit empor.

 

Bund der Pflegeversicherten e.V. (alter-aktiv-bdpv)

Gerd Heming(Vors.)

Münster, Oktober 2014

 

 

Erkenntnisse des Alters VIII: Gefährlich ist's, den Leu zu wecken - oder: Das Grundgesetz der Deutschen

„Weh, wenn sich in dem Schoß der Städte der Feuerzunder still gehäuft, das Volk, zerreißend seine Kette, zur  Eigenhilfe schrecklich greift! Da zerret an der Glocke Strängen der Aufruhr, daß sie heulend schallt, und, nur geweiht zu Friedensklängen, die Losung anstimmt zur Gewalt.

 

"Freiheit und Gleichheit!" hört man schallen; der ruh'ge Bürger greift zur Wehr, die Straßen füllen sich, die Hallen, und Würgerbanden ziehn umher.

 

Da werden Weiber zu Hyänen und treiben mit Entsetzen Scherz; noch zuckend, mit des Panthers Zähnen zerreißen sie des Feindes Herz. Nichts Heiliges ist mehr, es lösen sich alle Bande frommer Scheu; der Gute räumt den Platz dem Bösen, und  alle Laster walten frei.

 

Gefährlich ist's, den Leu zu wecken, verderblich ist des Tigers Zahn; jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn.

 

Weh denen, die dem Ewigblinden des Lichtes Himmelsfackel leihn! Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden, und äschert Städt' und Länder ein.“

 

Friedrich Schiller (1759-1805)  hat es in "Die Glocke" mit  starken Worten einprägsam gefasst: Wenn der Gute dem Bösen den Platz räumt, dann walten alle Laster frei.

 

Johann Wolfgang v. Goethe (1749-1832) hat das Böse als Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar, charakterisiert: „Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn Alles, was entsteht, ist wert, dass es zu Grunde geht; drum besser wär’s, dass nichts entstünde. So ist denn Alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element.“

 

Wir haben das Böse, die Gewalt, die Zerstörung, nicht hinter uns gelassen. Es wirkt auch heute in der Welt, es wirkt unter uns, es wirkt auch in unserer Gesellschaft. Es wohnt in den Palästen, in den Schlössern und Villen.  Aber wir haben ihm in Laufe der Jahrhunderte Bollwerke entgegengesetzt, wir haben ihm das Zeitalter der Vernunft "Die Aufklärung" entgegengesetzt und wir haben ihm  nicht zu letzt unser Grundgesetz, das Grundgesetz der Deutschen, entgegengesetzt.

 

Zu Goethes und Schillers Zeiten waren die Menschen in den deutschen Landen Untertanen, unfrei, der adligen Gewalt und der Gewalt des Klerus schutzlos ausgeliefert. Erst 1806, vor etwa zweihundert Jahren, wurde hierzulande die Leibeigenschaft aufgehoben, die Sklaverei beendet. Ein jahrhunderte langer Kampf unserer Väter zeitigte ein  erstes Zwischenergebnis. Die Revolution von 1848 und die Paulskirchenverfassung waren weitere  Schritte auf dem Weg zu dem Grundgesetz, unter dem wir heute leben.  

 

Aber die Revolution von 1848 und die Paulskirche scheiterten. Sie wurden blutig nieder geknüppelt von den Mächtigen jener Zeit. Die Masse der Kleinbauern und Arbeiter waren bei der Paulskirchenverfassung ohnehin nicht vertreten. Drei Viertel der damaligen sogenannten „Abgeordneten“ waren Akademiker, davon die Hälfte Juristen. Schon zu jener Zeit sprachen unsere Väter von der unseligen „Juristendominanz“, die uns bis in unsere Tage das Leben selbst unter dem Grundgesetz nicht gerade leicht macht. 1849 setzte der Adel mit der Wahl Friedrich Wilhelm IV von Preußen zum deutschen Kaiser dem ganzen Theater ein schnelles Ende.

 

Es brauchte weitere einhundert Jahre, es brauchte den Ersten Weltkrieg, die Weimarerrepublik, die Nationalsozialisten, den Zweiten Weltkrieg, bis im Jahre 1949 das Grundgesetz, so, wie wir es heute kennen,, aus der Taufe gehoben wurde.

 

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ist eine großartige Verfassung. Sie ist die beste Verfassung der Welt. Und sie hat Feinde. Es sind innere Feinde, die ständig die Werte der Verfassung in Frage stellen.  

 

Wir müssen diesen Feinden in Politik, Wirtschaft, Finanzwelt, Gesetzgebung und Rechtsprechung entschieden begegnen. Wir dürfen den Kampf unserer Väter, den sie oft mit dem Gefängnis oder gar mit dem Leben bezahlten, nicht verraten, wir dürfen uns selbst nicht verraten - bei unserer Ehre! Denn was vor hundert Jahren unmöglich schien, ist heute Wirklichkeit. Wir sind Demokratie! Wir sind das Volk. Wir sind der Souverän. In unserer Verfassung steht im Artikel 20: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt. / Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden. / Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“

 

Es sind die Schutzrechte des Grundgesetzes, auf die es ankommt. Durch sie hat jeder Bürger ein scharfes Schwert in der Hand, mit dem er sich gegen staatliche Willkür, gegen gewissenlose Politiker und skrupellose Bosse der Wirtschaft und der Finanzwelt wehren kann. Wir werden sie in den nächsten Veröffentlichungen des Bundes der Pflegeversicherten  „alter-aktiv-bdpv“ unter der Überschrift „Erkenntnisse des Alters“ darstellen. Jeder sollte sie verinnerlichen, sollte sie sich einprägen, sollte sie zu seinem Denkeigentum machen.  Denn sie sind unser Schutz gegen die Macht und gegen das Böse:

 

Art. 1 (Menschenwürde, Grundrechtsbindung). (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

 

Art. 2 (Freie Entfaltung der Persönlichkeit, Recht auf Leben, körperliche Unversehrtheit, Freiheit der Person). (1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit es nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

 

Art. 3 (Gleichheit). (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens , seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

 

Die weiteren Grundrechte als Schutzrechte werden in den folgenden Veröffentlichungen des BdPV e.V. "alter-aktiv-bdpv" dargestellt werden. Es wird ihnen ein Kommentar vorangestellt.

 

Für heute schließen wir mit einem weiteren nachahmenswerten  Zitat aus Schillers „Glocke“:

Denn wo das Strenge mit dem Zarten,
Wo Starkes sich und Mildes paarten,
Da gibt es einen guten Klang.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet!
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.

 

 

Bund der Pflegeversichertene.V. (alter-aktiv-bdpv)

Gerd Heming (Vors.)

Münster, September/Oktober2014

 

Erkenntnisse des Alters VI – Die Zerstörung des Gemeinwohls

Die Reichen und Superreichen haben sich jeder gesellschaftlichen Verantwortung längst entzogen. Sie leben unter uns. Aber sie leben nicht mit uns. Ihr Ziel ist Herrschaft! - nicht die Gemeinschaft, ihr Ziel ist die Diktatur des Geldes. Sie sind den Verlockungen des Geldes verfallen.  Sie erkennen nicht, dass nicht sie das Geld besitzen, sondern das Geld sie besitzt  - dass das Geld ihr gesamtes Denken und Handeln wahnhaft bestimmt. Sie sind süchtig wie Alkoholiker, die vom Alkohol besessen sind oder mit anderen Worten: Sie sind geistig und psychisch krank.  Denn ihr Wahn hat das Ziel der Zerstörung  gesellschaftlicher Moral und des Gemeinwohls, ihr Wahn  will die totale Verwirklichung des alles zermalmenden neoliberalen Kapitalismus. „Dieneuen Herrscher der Welt“, sagt der Schweizer Soziologe Jean Ziegler, „ - die Beutejäger des globalisierten Finanzkapitals, die Barone der transkontinentalen Konzerne, die Börsenspekulanten - häufen ungeheure Vermögen an. Mit ihrem Tunzerstören sie den Staat, verwüsten die Natur und entscheiden jeden Tag darüber, wer sterben muss und wer überleben darf. Willfährige, effiziente Verbündete stehen ihnen zu Diensten, allen voran die Funktionäre der Welthandelsorganisation, der Weltbank und des Weltwährungsfonds.“  Dieser Geist ist die Urmutter aller Kriege, allen Tötens, allen Grauens. Es ist dieser wahnhafte Geist, den Goethe in seinem „Faust“ treffend sagen lässt: „Ich bin der Geist, der stets verneint, und das mit Recht. Denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht. Drum besser wär’s. dass nichts entstünde! So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element“. Wenn die Menschheit leben will, wenn die Menschen sich selbst und das Gemeinwohl erhalten wollen, dann müssen die Reichen und ihre Propheten mit sofortiger Wirkung weltweit den geschlossenen Abteilungen forensischer Psychiatrien zugeführt werden. Sie sind eine tödliche Gefahr für das Fortbestehen unserer Spezies.

 

Die Deregulierung der Finanz- und Wirtschaftswelt der vergangenen dreißig Jahre öffnete Steuerhinterziehung, Begünstigung, Betrug, Bestechung, geheimen Absprachen und der Umleitung von öffentlichen Mitteln in private Taschen Tür und Tor. Darüber hinaus generiert die deregulierte Finanzwelt "Plünderer" – das sind Führungskräfte, die maximalen persönlichen Gewinn aus den Unternehmen ziehen, deren Leitung ihnen anvertraut wurde. Sie zielen auf private Gewinne, meist in Verbindung mit Börsenwerten. Das ist die eigentliche Motivation hinter vielen der Buchhaltungsbetrügereien die große  Firmen, Banken und auch Börsengesellschaften plagen. Allerdings haben die Plünderer mächtige Freunde in den westlichen Regierungen, die zu ihrer Rettung eilen. So werden dann nicht Staaten und ihre Bevölkerung gerettet, sondern private Versicherungen, Banker und Banken.  

 

Zwielichtigkeit ist der zweite Name der Reichen. Doch diese Zwielichtigkeit ist mitunter nur schwer zu erkennen. Am ehesten vielleicht sind sie mit jenen Psychopathen oder Soziopathen zu vergleichen, bei denen dasFehlen von Empathie, das Fehlen von sozialer Verantwortung und Gewissen in derRegel nur von jenen Menschen erkannt wird, die über große Soziale Kompetenz,durchdachte Lebenserfahrung und nicht zuletzt über Weisheit verfügen.. Psychopathen sind auf den ersten Blick charmant, sieverstehen es, oberflächliche Beziehungen herzustellen und „Freunde“ an sich zubinden. Dabei sind sie nicht selten sehr manipulativ, um ihre Ziele zuerreichen. Ihre  dissozialePersönlichkeitsstruktur ist durch ausgeprägte Diskrepanz zwischen Verhalten undgeltenden sozialen Normen gekennzeichnet. Man erkennt sie an ihrer Unfähigkeit,sich in andere hineinzuversetzen, an ihrer Unfähigkeit, längerfristige Beziehungen aufrechtzuerhalten, wobei sie jedoch keine Probleme mit der Aufnahme frischer Beziehungen haben. Schwieriger noch ist es, ihr fehlendes Schuldbewusstsein auszumachen, denn sie spenden oft und reichlich und geben sich ausgesprochen sozial. Allerdings spenden sie nur dort reichlich und jovial, wo sie die Folgen ihrer Spenden kontrollieren und entsprechende Anerkennung, Bewunderung und Dankbarkeit als ihren persönlichen Erfolg verbuchen können. Ihre Kontrollsucht ist übrigens einer der Gründe, warum sie sich der Zahlung von Steuern so gern entziehen. Sie können nicht akzeptieren, Geld zu zahlen, dessen Verwendung sie nicht kontrollieren und bestimmen können. Letztlich aber zeichnet sie eines gemeinsam aus, nämlich die Unfähigkeit, aus Erfahrung zu lernen.

 

Die Unfähigkeit aus Erfahrung zu lernen, zeigt sich beiall diesen Propheten des Neoliberalismus und Radikalkapitalismus. Friedhelm Hengsbach, Professor  für Wirtschafts-und Gesellschaftsethik, beschreibt in seiner berühmten Analyse mit der Überschrift „Das Reformspektakel“ die Propheten des Geldes und der alleszermalmenden Ökonomie wie folgt: „Dass die geringe Lernfähigkeit jener Propheten, die im Widerspruch zu empirischen Beobachtungen ihre marktradikal wirtschaftsliberale Bekenntnisse aufrechterhalten, für die wirtschaftliche Krise mitverantwortlich ist, dass die politischen Entscheidungsträger, die ihnen gefolgt sind, nicht zur Beseitigung, sondern zur Verschärfung der Krisen beigetragen haben, dass die Konzernchefs sich in schwerwiegenden Entscheidungender Fusion und Finanzierung von Unternehmen vergriffen haben, wird in der Öffentllichkeit nicht sonderlich registriert.“ Was, wie daraus zu schließen ist, darüber hinaus auch auf die Unfähigkeit so mancher Medien und Medienmacher verweist.

 

Diese Unfähigkeit ist immanent und hängt mit jenen minderwertigen Denkstrukturen und Denkweisen zusammen, der all jene anhängen, denen Neues Denken unbekannt ist und in deren Adern noch Reste des Blutes von Neandertalern rinnt.

 

Man muss nicht lange raten, welche Gruppen es sind, in deren Adern Reste des Blutes von Neandertalern fließt: Es sind die „meinungsführenden“ Gruppen der Gesellschaft! Neandertalerblut in den Adern entdecken wir im übertragenen Sinne innerhalb der Vorstände in den Medien, innerhalb der Vorstände der großen gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Institutionen, innerhalb der Vorstände der Wirtschafts- und Industrieverbände, innerhalb der Vorstände der großen Banken, privaten Versicherer, der Hedge-Fonds-Manager und nicht zuletzt innerhalb nahezu aller Disziplinen der Wissenschaften, allen voran die Rechts- und Staatswissenschaften, die Naturwissenschaften, die Lebenswissenschaften, der Gesundheits- und Pflegewissenschaften und – leider -auch in der Philosophie.

 

Innerhalb dieser unheiligen und morallosen Allianz werden Gesetze geschmiedet, die passgenau auf die Ziele und Interessen der Reichen ausgerichtet sind und somit das Gemeinwohl und den Gemeinsinn zerstören.

 

Die Reichen  treibt der Wille zur Macht. Nicht nur zur Macht über Menschen und Völker – zur Macht über die ganze Welt. Sie schaffen sich in Gemeinschaft mit den ihnen hörigen Politikern und Medien ihre eigenen Gesetze, und mit „gesetzlicher Legitimation“ sind sie nun dabei, sich die Menschheit gefügig zu machen. Mit gesetzlicher Kraft frieren sie deren Freiheitsgrade ein. Und mit Gesetzesmacht zwingen sie die sozial erzeugte Kälte auf Minusgrade herab. Versklavung ist ihr Ziel. Der Rest der Welt als Verfügungsmasse. Deswegen predigen sie Flexibilität, deswegen predigen sie Deregulierung, deswegen predigen sie Privatisierung. „Die reale, positive Macht des Bösen“ formuliert der Philosoph Schelling, „ist nur zu verstehen, wenn das Böse nicht einer Schwäche des Willens beziehungsweise einerunbestimmten Willkür entspringt, sondern im Willen selbst gründet, nämlich im aktiven „Eigenwillen“ des Subjekts, das sich als Einzelner, als Gruppe oderauch zum Beispiel als Nation gegen den „Universalwillen“ durchsetzen kann.   

 

Wennder „Eigenwille“ danach strebt, ‚das, was er nur in der Identität mit dem Universalwillen ist, als Partikularwille zu sein, dann ist er als partikularisierter Wille böse.“

 

Leben ist Leben inmitten von Leben, das leben will – leben endet frühestens mit dem letzten Atemzuge.

 

Nur der große, aufrechte und aufrichtige Geist erkennt des Geistes Wert.

Die Politik hat sich in den letzten 30 Jahren weitgehendvon ihren höheren Anliegen verabschiedet und sich auf Management und Technokratie reduziert. Was wir brauchen ist eine neue Politik des Gemeinwohls, die weniger zögerlich ist als in den letzten Jahrzehnten und eindeutig Stellungbezieht zu Gerechtigkeit und Bürgersinn.

 

Die Ära die Marktgläubigkeit ist zu überwinden. Den amerikanischen Philosophen Michael Sandel erschüttert es, dass diese Ära, als deren führende Protagonisten Ronald Reagan und Margarete Thatcher zu nennen sind, „von der politischen Bühne verschwanden und durch Nachfolger ersetzt wurden – Bill Clinton, Tony Blair und Gerhard Schröder muss man dazu zählen. Sie mäßigten die Marktgläubigkeit, doch zugleich verfestigten sie sie. Keiner der drei Exponenten der linken Mitte – keiner! – stellte die Grundannahme, die Leitidee des Marktglaubens von Reagan und Thatcher infrage: dass die Märkte das wichtigste Instrument zur Erreichung des Gemeinwohls seien“

 

Heute wissen wir, dass die Leitidee des Marktglaubens Gemeinsinn und Gemeinwohl zerstören. Heute wissen wir, dass die Menschen sich  nach den großen Themen, nach zuverlässigen moralischen Werten sehnen.

Wenn dieAlten hierzulande utilitaristischen Überlegungen angelsächsischer Art die Argumentation nehmen und gesellschaftliche Bedeutung in dem Sinne gewinnenwollen, dass sie  jenseits der Reproduktion auf andere Art etwaszur Erhaltung der Spezies beitragen,. dann muss diese Bedeutung über ihre persönliche Zukunft hinausgehen. Sie müssen erkennen, dass der Zeitgeist und die Ziele der privaten Wirtschaft und der privaten Versicherungen daraufgerichtet sind, die sozialen und Solidarität stiftenden Errungenschaften des späten 19. Jahrhunderts und insbesondere der 50er, 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts zu zerstören. Die Alten dürfen ihre Energien nicht für Trivialitäten verplempern.  

 

„Wenn die Alten ihre Energie im Alter verbrauchenoder mit Trivialitäten und Spielereien verplempern“, sagt die berühmteamerikanische Altersforscherin Betty Friedan, „wenn sie nur die Zeit totschlagen und das Alter und den Tod verleugnen, verschleudern sie ihre aufdie Zukunft gerichtete Weisheit und Generativität. Ihr Leben muss mehr sein alsnur jene bedeutsamen Erinnerungen, die sie vielleicht für ihre Enkelaufschreiben. Die Alten  können dieZukunft nicht voraussehen. Doch wenn sie an den Problemen arbeiten, vor denen unsere Gesellschaft steht, und dabei ihre im Lauf des Lebens erworbene Weisheitund Generativität einsetzen, einschließlich des Wissens um die Entstehung desSozialstaats, dann  hinterlassen sieihren  Enkeln ein Vermächtnis, das darinbesteht, dass sie bei der Gestaltung der Zukunft helfen und die Generativität und Solidarität des menschlichen Gemeinwesens entfalten und bewahren.“

Die Alten müssen ihr eigenes Leben leben, generativ solidarisch und als Teil der Gemeinschaft. Nur dem, der das Gemeinwohl fest im Blick hat, gehört die Zukunft!

 Gerd Heming  Münster in Westfalen im Mai 2014

 

 

 

 

 

Erkenntnisse des Alters I - Die Alten sollten wissen...

 

Die Alten sollten wissen, dass die Reden derer nichtssagend sind, die dem Alter das Tätigsein absprechen. Das ist, als ob man darauf bestehen wolle, nur weil es bewölkt sei, schiene die Sonne nicht. Die Sonne scheint über den Wolken! Das ist, so Cicero vor mehr als zweitausend Jahre, ungefähr so, wie wenn man behaupten wollte, der Steuermann tue bei der Schifffahrt nichts. Denn während die einen auf die Mastbäume klettern, andere in den Gängen umherlaufen und wieder andere das Grundwasser ausschöpfen, sitze er, das Steuer haltend, hinten ruhig auf dem Deck. „Freilich tut er nicht das, was die jungen Leute tun, aber dafür ungleich Wichtigeres und Besseres. Nicht durch Kraft oder körperliche Behändigkeit und Schnelligkeit werden große Leistungen vollbracht, sondern durch besonnenen Rat, das Gewicht der Person, gereiftes Urteil: Eigenschaften, die im Alter nicht verloren gehen, sondern sogar noch zu zuwachsen pflegen.“

 

“Aber das Gedächtnis nimmt ab“, hält man den Alten heute wie vor zweitausend Jahren entgegen.

„Aber nur“,antwortet Cicero heute wie damals, „wenn man es nicht übt, oder auch, wenn man von Natur etwas langsam im Kopfe ist. Die Geisteskräfte bleiben den Alten, wenn nur Eifer und Fleiß bleibt, und nicht allein bei angesehenen Staatsmännern,sondern auch im ruhigen Leben eines Privatmannes.“

 

Das Bild, das die Medien derzeit vom Altern und von den Alten zeichnen, ist einseitig und unhaltbar negativ. Trotzdem wird es nahezu ohne Kritik von Jung und Alt übernommen. Wen wundert’s, wenn die Alten nicht fröhlich sind. Es ist damit wie mit der „self-fulfilling- prophecy“: die Alten glauben zu verblöden, und weil sie es glauben, verblöden sie wirklich, obwohl sie nicht wirklich verblödet sind. Es fehlt ihnen das gesunde Selbstbewusstsein, es fehlt ihnen das, was sie gegen die von  Medien und Politik abgesonderten Zuschreibungen immunisiert. Es fehlt ihnen Zivilcourage. Denn es ist nicht wahr, dass man im Alter als erstes die Haare verliert – im Alter verliert man hierzulande als erstes das gesunde Selbstwertgefühl.

 

Wie einst Odysseus sich an den Mast seines Schiffes fesseln ließ, um dem verführerischen Gesang der Sirenen nicht zu erliegen, so die Alten heute: Sie sollten die Medien als das erkennen,was sie wirklich sind: Bloße Oberflächlichkeit, die davon lebt, dass sie alles auf ein tiefstes Niveau herunterzieht. Die Medien können die Welt nicht erklären. Was sie stattdessen zeigen, ist eine arrogante und selbstverliebte Clique, was sich zeigt, sind nur Verzierungen, die man niederreißen sollte. Was sich zeigt, sind prunkvoll ausgestattete Studios, ist Schminke, Schminke,Schminke - sind gefärbte und frisierte Haare, sind gestylte Figuren, die man unter anderem noch eigens von Mallorca herein fliegt, um die geschminkte Welt geschminkt zu erklären. Heutzutage setzt eine zur Schau getragene Schnoddrigkeit und Ungepflegtheit der geschminkten und geschminkt erklärten Welt die Krone auf. Die nackten und faltigen Hälse, die man besonders auf den politischen und medialen Bühnen mehr und mehr bewundern kann, erinnern zunehmend an jene Hälse von Geiern, die irgendwo auf der Welt über dem Tal des Todes ihre Kreise ziehen.

Sie schminken die Schminke nicht ab. Sie blenden weiter. Sie moderieren Sendungen länger als dem Zuschauer lieb sein kann. Die Schminke ist ein Symbol dessen, was die Moderatoren und Moderatorinnen, die Nachrichtensprecher und –sprecherinnen wirklich sind: Sie sind ein Symbol für das, was sie  geworden sind: Oberflächlich. Und das wiederum ist ein Symbol für die Qualität unserer elektronischen Nachrichtendienste.

 

Wir besitzen seit einigen Jahrzehnten ein magisches Werkzeug ... ein Werkzeug aus Licht und Ton. Ein Instrument, dass uns helfen könnte die am Besten informierte Gesellschaft zu sein: Freie, aufgeklärte und kluge Bürgerinnen und Bürger. Statt dessen bringen die Medien Sendungen wie beispielsweise „Nachrichten in Schlagzeilen“. Als ob man komplexes Geschehen in Schlagzeilen sperren könnte! Sie bringen nette Moderatoren und Moderatorinnen, flaches Geplauder, alberne Sprüche und hohles Geschwätz. Sie servieren uns Kriege und Katastrophen wie die Zwischengänge einer Mahlzeit. Sie schnüffeln, sie tratschen, sie verführen.. Sie lächeln uns zu, aber sie können die eigene Verblödung hinter der Schminke und hinter dem "gewinnenden"Lächeln nicht verbergen. Ein guter Reporter bringt die Fakten, ein großer Reporter versteht ihre Bedeutung, sie aber sind saturiert, haben ein Einkommen von einigen hunderttausend Euro pro Jahr – und verstehen nichts. Sie besitzen den Tiefgang einer Briefmarke, sie sind das Geld nicht wert, das die Gebührenzahler zahlen. 

 

Die Alten sollten erkennen, dass ihnen von Medienseite und von der Politik keine Hilfe erwächst. Deshalb sollten sie sich um ihres eigenen Selbstwertes willen einmischen ins gesellschaftliche, mediale und politische Geschehen. Die Aufforderung zur Mitgestaltung ist ein dringlicher Appell. Die Gestaltung eines neuen Weltbildes darf nicht allein jenen überlassen bleiben, die aus kurzfristigen Interessen denken und handeln. Die Kurzdenker unserer Nation sind für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung ein Fluch, sie zerstören die solidarische Gemeinschaft. Die Prinzipien der Nachhaltigkeit, der Sozialverträglichkeit und der Zukunftsverträglichkeit bleiben auf der Strecke. Es könnte eine wesentliche Aufgabe des Alters darin liegen, den Sozialstaat gegen seine Feinde zu schützen. Die Alten sind eine Macht. Sie sind eine Macht, die ihresgleichen sucht. Und es gilt, diese Macht nach außen deutlich zu machen. Denn es gibt viel zu tun. Es gilt beispielsweise, die Zweiklassengesellschaft, die Zweiklassenmedizin und Zweiklassenpflege rigoros zu bekämpfen. Die klare Einsicht muss zu der Erkenntnis führen: „Ja, wir haben eine Zweiklassenmedizin – und ja, wir müssen das System verändern. Das gewaltigste Hemmnis für die dringennd notwendige Veränderung ist,  dass die einflussreichsten Menschen in unserem Land, also zum Beispiel die Mehrzahl der Politiker, die Professoren, die die Gutachtenschreiben, die Mitglieder des gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenhäuser, die Richter, die Beamten, die Einkommensstärksten, die Meinungsmacher in unserer Gesellschaft zum größten Teil privat versichert sind. Durch sie wird es keine Veränderung geben, denn dann würden sie den luxeriösen Ast, auf dem sie sitzen, selbst absägen. Und selbst wenn sie gesetzlich versichert sind, haben sie noch Privilegien, die die Probleme der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung für sie unerfahrbar machen. Deshalb muss eine Reform durchgesetzt werden gegen den Widerstand der privaten Krankenversicherung, gegen den Widerstand vieler Ärzte, gegen den Widerstand der gesamten Beamtenschaft, gegen den Widerstand der Reichen.  Dieser Widerstand und diese Reform wird ohne Unterstützung der einflussreichsten Menschen in unserem Land stattfinden, denn die sind im solidarischen System nicht mitversichert,  denn die haben sich längst aus der solidarischen Gemeinschaft ausgeklinkt. Die Schmarotzer dieser Gesellschaft finden wir nicht dort, wohin die Medien gewöhnlich deuten, die Schmarotzer unserer Gesellschaft finden wir in den Konferenzräumen der Medien, in den obersten Etagen der Konzerne, in den Glaspalästen der privaten Banken und Versicherungen, in den Villenvierteln der Städte und Gemeinden.

 

Die Grundsatzfrage an Politiker und Meinungsmacher muss in diesen Tagen daher lauten: „Sind Sie solidarisch in der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung versichert?“ Die Frage muss jetzt gestellt werden, vor der Bundestagswahl – und kein Politiker, der nicht solidarisch gesetzlich - und zwar ohne Beitragsbemessungs- und Pflichtversicherungsgrenze -  in der GRV, GKV oder GPV voll versichert ist, darf die öffentliche Bühne als Vertreter des Volkes betreten. Sie verdienen uns nicht – wir verdienen etwas Besseres. Um das aber zu begreifen, dazu ist die Masse des Volkes inzwischen zu verblödet.

 

Man muss nicht  nach England reisen oder in die USA, um zu wissen, was auch hierzulande angedacht wird, der Anführer der Jungen Union hat es unlängst verdeutlicht: Englische Verhältnisse. Diskriminierung! Ab 70 keine medizinische Behandlung mehr.

 

Das sei echte Diskriminierung sagte Heiner Geißler vor einiger Zeit anlässlich einer Rede zum deutschen Anwaltstag: „Diskriminierung aber führt zu schweren Menschenrechtsverletzungen. Wo Diskriminierung verankert ist in der Rechtsordnung, dort wird es gefährlich für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Denn die beruht allein auf Gerechtigkeit, Fairness und Edelmut. Wo politische Diskriminierung zu schweren Menschenrechtsverletzungen führt, haben wir es mit politischer Verfolgung zu tun – gleich in welchem Land. Neuerdings gehört ja, was diese Frage anbelangt, was der Mensch sein muss, auch das richtige Alter dazu, denn es ist ja ebenfalls eine neue Kategorie. In England kriegen 65jährige keine Beipass-Operation, keine künstlichen Hüftgelenke, werden vom Dialyseapparat abgeschaltet, es sei denn, sie haben genügend privaten „Bimbels“, wie man in der Pfalz sagt, um also die Therapie aus der eigenen Tasche bezahlen zu können.  Wir sind heute in Deutschland genau so weit. Für bestimmte Leute werden die Lebensrisiken privatisiert und die Konsequenzen haben wir ja. Also mein Parteifreund ... der Philipp Missfelder, Vorsitzender der Jungen Union, hat gemeint, Leute die älter sind als 85 Jahre sollten auch keine künstlichen Hüftgelenke mehr bekommen, sie sollten gefälligst Krücken verwenden. Nun kann man einem 23jährigen jungen Mann manches verzeihen, auch ich habe mit 20 manches gesagt, was Blödsinn war. Aber man darf ihm nicht noch auf die Schulter klopfen, und sagen, du hast ein richtiges Problem aufgeworfen. Du hast den Finger in eine klaffende Wunde gelegt. Man kann höchstens sagen, ja, was soll der denn anderes reden, wenn schon leibhaftige Professoren, drei Stück an der Zahl, vor einem halben Jahr erklärt haben, wer älter ist als 75, der sollte keine lebenserhaltenden Medikamente mehr bekommen. Alles unter Kostengesichtspunkten. Also einer der Professoren war sogar Berater der Deutschen Bischofskonferenz, der wurde am anderen Tag suspendiert, a la bon heur, die Katholische Kirche hat hier rasch reagiert, kein Zweifel, aber wir können sehen, wo wir hinkommen mit der Kategorisierung von Menschen. Wenn die Leute Pech hatten oder das Pech haben, dass sie zur falschen Klasse, Rasse, Nation, Religion, zum falschen Geschlecht, zum falschen Alter gehören, dann werden oder wurden sie liquidiert, vergast, gesteinigt, zu Tode gefoltert, in die Luft gesprengt oder sonst wie umgebracht. Die falschen Menschenbilder waren und sind die Ursachen für die schwersten Verbrechen, die die Menschen je begangen haben. Aber auch waren sie Ursache für die schwerwiegendsten politischen Fehlentscheidungen, die die Menschen erleben mussten. Und deswegen ist die Frage nach dem richtigen Menschenbild die entscheidende Frage.“  

 

Das richtige Menschenbild  aber ist der Mensch, so, wie er geht und steht.

 

Wenn die Alten hierzulande utilitaristischen Überlegungen angelsächsischer Art die Argumentation nehmen und gesellschaftliche Bedeutung in dem Sinne gewinnen wollen, dass sie  jenseits der Reproduktion auf andere Art etwas zur Erhaltung der Spezies beitragen,. dann muss diese Bedeutung über ihre persönliche Zukunft hinausgehen. Sie müssen erkennen, dass der Zeitgeist und die Ziele der privaten Wirtschaft und der privaten Versicherungen darauf gerichtet sind, die sozialen und Solidarität stiftenden Errungenschaften des späten 19. Jahrhunderts und insbesondere der 50er, 60er und 70er Jahre des 20.Jahrhunderts zu zerstören. Die Alten dürfen ihre Energien nicht für Trivialitäten verplempern. „Wenn die Alten ihre Energie im Alter verbrauchen oder mit Trivialitäten und Spielereien verplempern“, sagt die berühmte amerikanische Altersforscherin Betty Friedan, „wenn sie nur die Zeit totschlagen und das Alter und den Tod verleugnen, verschleudern sie ihre auf die Zukunft gerichtete Weisheit und Generativität. Ihr Leben muss mehr sein als nur jene bedeutsamen Erinnerungen, die sie vielleicht für ihre Enkel aufschreiben. Die Alten  können die Zukunft nicht voraussehen. Doch wenn sie an den Problemen arbeiten, vor denen unsere Gesellschaft steht, und dabei ihre im Lauf des Lebens erworbene Weisheit und Generativität einsetzen, einschließlich des Wissens um die Entstehung des Sozialstaats, dann  hinterlassen sie ihren  Enkeln ein Vermächtnis, das darin besteht, dass sie bei der Gestaltung der Zukunft helfen und die Generativität des menschlichen Gemeinwesens entfalten und bewahren.“

 

Die Alten müssen ihr eigenes Leben leben, generativ und als Teil der Gemeinschaft.  

 

Im Talmud heißt es: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich, wenn ich nur für mich bin, was bin ich dann? Wenn nicht jetzt – wann sonst“.

 

Die Alten sollten wissen. dass sie das können.

 

Gerd Heming, Februar 2013

 

Erkenntnisse desAlters II: Die Rente - Rentenlüge, Rentenklau, Betrug am gesetzlich Versicherten 

 

Die Rente steigt im Jahr 2013 im Westen um 0,25 Prozent, im Osten um 3,69 Prozent. Für die 72jährige Rentnerin aus Dortmund mit einer Rente von Euro 500,00 pro Monat bedeutet das eine Erhöhung um 1,25 Euro im Monat oder Euro 0,0411663 pro Tag oder vier Cent. Dafür kann sie sich nicht einmal ein Hustenbonbon kaufen.  

 

In der Realität, d.h. in den Geldbeuteln der Rentnerinnen und Rentner, bedeutet die „Rentenerhöhung“ zum 01.07.2013 mit Blick auf die Inflation einen Kaufkraftverlust von zwei Prozent.

 

Wer hat sich das ausgedacht? So etwas kann selbst dem nicht einfallen, dem die Idiotie ins Gesicht geschrieben steht. Der Bundesarbeitsministerin in Berlin jedoch fällt so was ein!

 

Es ist kalt geworden in Deutschland. Mitten im März gleicht das Land einer riesigen, einer eisigen Gruft.. Die Kälte von Untoten, von Zombies weht uns an. Sie weht von denen her,  die wird ie „Spitzen“ unserer Gesellschaft nennen: von ökonomischen und politischen Institutionen, von  Politikern, von  Managern, von den Börsen,  von Banken und Versicherern und – teilweise - von den Medien. Wer die von der Leyens, den Barbiers, den Niejahrs oder den Ackermanns, den Clements, den Schmidts und Schröders, den Steinbrücks, den Merkels und vielen anderen bei ihren Diskussionen in Talkrunden in die Gesichter sieht, der weiß, warum von Untoten hier die Rede ist.

 

Angesichts sich ausbreitender Verwahrlosung und Verödung könnte man verzweifeln. Armut. Nicht nur materiell. Auch geistig. Auch psychisch. In Diskussionsrunden. In Parlamenten. In Arbeitsämtern. In Präsidien. In Rathäusern. In Sozialämter. In Krankenhäusern. In Pflegeeinrichtungen. Ganze Stadtteile verkommen. Nicht zureden von Konzernzentralen.  Und was uns die Politik derzeit bietet, ist Chaos, ist – zusätzlich zum politischen Wirrwarr - soziale Eiszeit. Wann reißen wir endlich Politikern und Managern die Masken ab? Wann bringen wir deren verlogene Fassaden zum Einsturz? „Wirdenken“, sagt Ulrich Beck, „in Zombie-Kategorien. In jenen vegetiert der öffentliche Diskurs dahin. Wir sind so erkaltet wie jene Zombie-Institutionen, in denen wir häufig leben ohne zu leben.“  

 

Wo ist die Empörung?  Empört Euch, ihr Leute! Empört Euch, ihr Rentnerinnen und Rentner dieser Republik.

 

Am 01. September 2011 meldete die ARD in ihrem Morgenmagazin die Nachricht vom „Rentenschock“. Die beiden moderierenden Nicht-Rentner des Magazins berichteten, dass die Renten in den kommenden 14 Jahren um 10 Prozent sinken würden. Sie hatten auch gleich einen „Experten“ bei der Hand, der die Kürzung der Renten mit dem demographischen Wandel in unserer Gesellschaft begründete: „Immer weniger junge Beitragszahler der GesetzlichenRentenversicherung (GRV) müssen immer mehr Rentnerinnen und Rentnerfinanzieren.“

 

Der „Experte“, ebenso die beiden Moderatoren, merkten den Unsinn nicht, den sie zum abertausendsten Mal der Öffentlichkeit präsentierten. Doch auch durch die tausendfach wiederholte Präsentation des Unwahren und Unsinnigen wird die Meldung nicht richtiger. Denn wenn es stimmt, dass in Deutschland etwa zwei bis drei junge Versicherte der GRV einen Rentner finanzieren, dann stimmt es auch, dass in Staaten, wie beispielsweise Indien,40 junge Inder einen Rentner finanzieren. Logischerweise müssten also die Renterinnen und Rentner in Indien – oder anderen Ländern mit einer hohen Jugendquote – eine um das Zwanzigfache höhere Rente kassieren als die Rentnerin Deutschland und konsequenterweise müssten sie ein Leben in schwelgendemLuxus führen. Das ist aber offenbar nicht der Fall. Übrigens: Im Deutschlandvor hundert Jahren trugen 16 Arbeitnehmer einen Rentner. Trotzdem lebte derRentner damals in tiefer Armut. Die Geschichte vom demographischen Wandel istsomit Quatsch - und dem „Experten“ mangelt es an Urteilskraft – was bei Kant nichts anderes als Dummheit heißt.

 

Inzwischen atmet man ja schon auf, wenn die Medien sic heines gesellschaftlichen Themas nicht annehmen. Denn tun sie es, produzieren sie heilloses Durcheinander, und statt Aufklärung und Klarheit, Unwissenheit. Wo die Medien sich einmischen erwächst statt Heil Unheil!

Im Übrigen leben die Rentnerinnen  und Rentner in Deutschland seit Jahren ohnehin  im Renten-Dauerschock. Denn dass der Kaufwert ihrer Renten sinkt, erfahren sie real seit vielen Jahren. Die Senkung der Renten hat jedoch ganz andere Ursachen als die, die uns die Politik, die Wirtschaft und die Medien weis machen. Und das aus verschiedenen Gründen:

 

Zum Ersten glichen weder die Rentenerhöhungen der vergangenen 15 Jahre noch die Renten-Nullrunden dieser Jahre die Preiserhöhungen der Lebensgrundlagen annähernd aus.

 

Zum Zweiten wissen die Rentnerinnen und Rentner der GRV, dass die Rentenbeiträge, die sie für ihren Lebensabend im Generationsausgleich eingezahlt haben, durch gesetzgeberische Manipulationen zweckentfremdet worden sind. Sie wissen, dass bereits während der ersten Wirtschaftskrise der Jahre 1966 bis 1968 runde 500 Milliarden Mark (250 Milliarden Euro) aus ihrer damals prallgefüllten Rentenkasse entwendet und zur Wirtschaftsförderung eingesetzt wurden. Sie wissen, dass sie mit ihren  gesetzlichen Beiträgen im Generationenverbund die Krise der 70iger Jahre finanzierten und dass ihre Kassen geplündert wurden, um die enormen Lasten der Frühverrentungscampagne (runde 200 Milliarden Euro) und der Wiedervereinigung Deutschlands (ebenfalls bisher rund 200 Milliarden Euro) auszugleichen. Sie wissen, dass sie mit ihren Beiträgen die Kosten für die Kriegsfolgelasten, für Kindererziehungszeiten usw. seit über 50 Jahren mitfinanzieren.

 

Dies sind aber Aufgaben, die von der gesamten Bevölkerung zu tragen wären, auch von den Beamten, Ärzten, Richtern, Abgeordneten, Freiberuflern und all jenen, die Einkommen jenseits der Beitragsbemessungsgrenze und der Pflichtversicherungsgrenze beziehen. Alles in allem dürfte der Staat bei den Beitragszahlern der GRV mit 2 Billionen Euro (2.000.000.000.000,00 Euro) in schuldnerischer Verpflichtung stehen. Es ist an der Zeit, dass diese Gelder durch eine stattliche Rentenerhöhung und durch Senkung der Beiträge, an die Beitragszahler der GRV zurückgezahlt werden. Gleichzeitig müssen die Beitragsbemessungsgrenze und die Pflichtversicherungsgrenze radikal beseitigt und muss die Bürgerversicherung eingeführt werden.

Doch davon nichts in den Medien! Darüber berichten die Medien nicht!

In der Rentendokumentation des ADG ist zu lesen:  „Wer weiß heute noch, dass der Gesetzgeber 1955 im Zusammenhang mit der Umstellung der Rentenversicherung vom Kapitaldeckungs- zum Umlageverfahren die Rückzahlung seiner Schulden, die er bei den Rentenversicherungsträgern hatte, mit der Begründung verweigerte, dass der Bund ja sowieso Steuermittel zur Verfügung stellt, wenn die Beiträge zur Finanzierung der Renten nicht ausreichen sollten? Das waren immerhin etwa 14,5 Mrd. Mark, bei einem Haushaltsvolumen 1956 von etwa 30 Mrd. Mark“ (Quellen: Bundestagsdrucksache 1659, S. 67; Die Angestellten-Versicherung 1956, Heft1,S. 1).  

 

Die private Absicherung der Lebensrisiken hat von Beginn an nicht funktioniert, sie war schon nach wenigen Jahren pleite. Auf die Pleite der großen privaten Versicherer können sich die dort Versicherten auch in den kommenden Jahren einstellen.

 

Weitere Eingriffe in die Rentenversicherung, bis hin zur Rente mit 67, programmieren eine Absenkung des Nettorentenniveaus von ehemals 70 auf 48 Prozent. Die 48 Prozent vom früheren Netto gelten aber auch nur für diejenigen, die 45 Versicherungsjahre schaffen. Der Durchschnittsverdiener, der ab 2030 in Rente geht, muss nach heutigem Rechtsstand 37 Jahre Beiträge gezahlt haben, um eine Rente auf Sozialhilfeniveau zu kriegen. Wer nur 80 Prozent vom Durchschnittseinkommenverdient – das betrifft vorrangig Frauen – für den werden das 42 Jahre. Und dabei erzielt bereits ein Drittel der Beschäftigten in Westdeutland Einkommenvon weniger als 75 Prozent des Durchschnittsverdienstes. Schon heute liegen die Rentenzahlbeträge (im Westen bei 90 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer) unter der Armutsgrenze.

 

Ein weiterer wesentlicher Grund für die Kürzung der Renten ist folgender: Der Anteil der Rentenausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) war bis in die späten 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts  relativ stabil. Bis dahin kompensierte die allgemeine Wohlstandsentwicklung sowohl den demografischen Wandel als auch die Fortschritte in der Rente. Das begründet die Annahme, dass ein Reformmodell, dass die Einnahmen an die allgemeine Wohlstandsentwicklung ankoppelte, den gesellschaftlichen Fortschritt und den demografischen Wandel auch in Zukunft kompensieren würde. Eine Reform der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) war also nicht notwendig, weil die Ausgaben explodierten, sondern wegen der Verteilungsverhältnisse. Darum ist die Bürgerversicherung von so entscheidender Bedeutung.

 

Nicht einmal eine so klare Aussage kapieren die Macher der Medien – und in der Politik beherrscht die Unfähigkeit das Feld.

 

Die zuvor genannten Verteilungsverhältnisse wurden 1998 mit der Wahl Gerhard Schröders zum Bundeskanzler auf den Kopf gestellt. Mit seiner Wahl endete die allgemeine Wohlstandsentwicklung abrupt. Die Sozialdemokratie verriet ihre eigenen Kinder. Gleichzeitig wurden die Gewinne der Großverdiener und der Unternehmen von nun an stetig geringer besteuert. Die Reichen wurden reicher und die Armen ärmer. Allein durch die Halbierung der Körperschaftssteuer schenkte die Schröderregierung den großen Konzernen jährlich 102 Milliarden Euro, von der Herabstufung des Spitzensteuersatzes auf 41 Prozent, von der Befreiung von der Erbschaftssteuer sowie vom Verzicht auf die Vermögenssteuer gar nicht zu reden. Vom ersten Jahr der Rot-Grünen-Regierung an verzichtete der Staat auf gesicherte Einnahmen von jährlich nahe zu 200 Milliarden Euro, die von da an - mit verheerender Wirkung für die Gesellschaft - den Wohlhabenden auf die Bankkonten flossen. Gezielt wurde der Staat auf diese Weise in die  Armut gezwungen. Und nur indem den dümmlichen Volksvertretern durch ganz bestimmte Interessengruppen die bewusst herbeigeführte Geldknappheit des Staatswesens „überzeugend“ dargestellt wurde, konnten die sozialdemokratischen Abgeordneten dazu gebracht werden, den Sozialabbau, den sie ansonsten wohl kaum widerspruchslos hingenommen hätten, zu akzeptieren. Diese Richtung, nämlich dass die Reichen reicher wurden und die Armen ärmer, hat sich bis heute nicht verändert – und noch immer verrät die Sozialdemokratie ihre Kinder.

 

Die „Experten“ heutzutage fallen allein und einzig durch ihren Mangel an Urteilskraft, d.i. Dummheit, auf. Deswegen ist es nicht erstaunlich, wenn die „Experten“ der Propaganda auf den Leim gehen und glauben,dass das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Jungen und Alten irgendwelche Aussagen über die Finanzierbarkeit der Rentenversicherung erlaubt. Den einzigen Schluss für die Rentenfinanzen, den man aus den demographischen Prognosenziehen kann, ist, dass zukünftig für die Versorgung der Altersbevölkerung mehr Geld aufgewendet werden muss als bisher.  

 

Auf die Produktivität einer Gesellschaft kommt es an!


Und auf die gerechte Verteilung der durch die Produktivität erzielten Gewinne. Es kommt auf die Bürgerversicherung an! Folgten die politischen und medialen Versager endlich dieser Grundwahrheit, dann wäre selbst eine dynamisierte Mindestrente von 1.100 Euro pro Monat eine leicht zu finanzierende Angelegenheit.

 

Aber auch das kapieren weder die Medien noch die Politik. Bei ihnen trifft zu, was sie dem Alter anzudichten versuchen: De-menz. Denn De-mens heißt geistlos, heißt ohne Geist.

 

Aus der Demographie lässt sich schon nicht mehr herleiten,ob das vorhin gesagte auch bedeutet, dass der Anteil der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung des Bruttoinlandsprodukts deutlich steigt, der für Alterseinkommen aufgewendet werden muss. Denn schon diese Frage hängt davon ab,wie es um das gesamtwirtschaftliche Wachstum bestellt sein wird. Tatsächlich liegen alle Faktoren, die für die Finanzierbarkeit der Rentenversicherung wichtig sind, nicht im Bereich der Demographie, sondern im Bereich der Ökonomie. Hier geht es nicht nur um das Wirtschaftswachstum, sondern auch um die Entwicklung der Arbeitsproduktivität des Beschäftigungstands und der beitragspflichtigen Lohn- und Gehaltssumme.

 

Wenn im oben genannten Morgenmagazin die Riesterrente lobend erwähnt wurde, so kann das bestenfalls als zynisch empfunden werden; handelt es sich doch bei der Riester-Rente in Wirklichkeit um einen verheerenden Systembruch im Gefüge des solidarischen Ausgleichs. Denn durch die Riester-Reform wurde vor aller Augen das Ziel der Lebensstandard-sicherung aufgegeben und der Ausstieg aus der paritätischen Finanzierung sowie der Einstieg und die Privatisierung des Altersrisikos vollzogen. Die sozialdemokratischen Politiker machten die Rentenpolitik dem Kapitalismus dienstbar. In der Folge entlastete ausgerechnet die Sozial-Politik die Arbeitgeber bei den Beiträgen, und den Banken und Versicherungs-konzernen eröffnete sie einen riesigen neuen Kapitalmarkt. Sie werden sich mit den Privatvorsorgeprämien der Versicherten und der staatlichen Förderung eine goldene Nase verdienen. Wer, wie die Krisen der jüngsten Zeit zeigen, ihnen vertraut, für den ist der Gang zum Sozialamt im Alter eine letzte Option.

 

Gerd Heming (Vors.) Münster, März/April 2013

 

 

Klicken Sie einfach in den Text, um diesen zu bearbeiten. Überschreiben Sie den Text nach Ihren Wünschen und wählen Sie dabei Ihre individuelle Schriftart und -farbe aus.

Oder wählen Sie über "Inhalte einfügen" interessante Module aus, die Sie an die gewünschte Stelle positionieren können.

 

     

Der Bund derPflegeversicherten e.V. (BdPV e.V.) finanziert sich ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen. Die Beiträge werden jährlich per Lastschrift abgebucht.

 

1. Der BdPV e.V. ist ein Schutzverein für Pflegeversicherte. Insbesondere ist er ein Schutzverein für Bürgerinnen und Bürger, die die Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen sowie für deren Angehörige und für Pflegekräfte

 

2, Die Mitglieder des BdPV e.V. erhalten Beratung und Unterstützung in allen mit der Pflegesituation verbunden Fragen. Es stehen ihnen Berater zur Seite, die sich inanerkannten und qualifizierten Studien mit den Bereichen der Pflege und des Alters vertraut gemacht haben und in fortlaufenden Studien ihre Qualifikation schulen.

 

3. Die Mitglieder des BdPV e.V. werden in ihrer Selbstbestimmung und Eigenverantwortung unterstützt und gefördert. Als Mitglied des BdPV e.V. begegnet man anderen Mitgliedern, die zum großen Teil eigene Erfahrungen in der Pflege ein großes Maß an Kenntnissen und Erfahrungen gewonnen haben. Der persönliche Austausch hilt allen Betroffenen die Pflege bewusst zu verarbeiten und ihre Arbeit leichter zu meistern.

 

4. Der BdPV e.V. betreibt intensive Aufklärung seiner Mitglieder. Sie werden per e-Mail monatlich überwichtige Geschehnisse informiert und haben jederzeit Zugriff auf die Internetseiten des BdPV e.V. unter www.bund-der-pflegeversicherten.de

 

5. Der BdPV e.V. lehnt den Begriff der „Pflegebedürftigkeit“ ab, zum Ersten, weil er nichts sagend ist und niemand „nur“ pflegebedürftig ist, zum Zweiten, weil alle Menschen tagtäglich der Pflege bedürfen, vom Aufstehen am Morgen bis zum zu Bett gehen am Abend.

 

6. Alle Bereiche, die in der Pflegeversicherung aufgeführt und „Aktivitäten des täglichen Lebens“ genannt werden, sind jedem Bürger und jeder Bürgerin bekannt. Von der Körperwäsche morgens bis zum Zähneputzen abends. Insofern geschieht in der Pflege nichts, was nicht allgemeines Wissen ist.

 

7. Vom Gesetzgeber fordert der BdPV e.V.  deshalb Transparenz. Heimliche Vereinbarungen in den Manageretagen der Pflegeheimbetreiber und der Krankenkassen sind zu beenden.

 

8. Vom Gesetzgeber fordert der BdPV e.V. deshalb die ethische Unterstützung für alle, die mit gutem Willen in der Pflege tätig sind.

 

Gezeichnet:

Bund der Pflegeversicherten e.V.

Gerd Heming (Vors.) im Juli 2011